In Zeiten, in denen psychische Belastungen zunehmen und viele Menschen nach natürlichen Unterstützungsmöglichkeiten suchen, landet ein interessantes Buch auf meinem Schreibtisch: „Wildpflanzen für die mentale Gesundheit“ von Phil Käding, erschienen im April 2025 im KOSMOS-Verlag. Laut Untertitel erwarten uns 24 Pflanzen zum Sammeln, Zubereiten und Nutzen – vorrangig heimische, aber auch relevante internationale Arten. Da die Pflanzenheilkunde eines meiner Steckenpferde ist und auch in der Praxis oft Anwendung findet, war ich natürlich besonders neugierig.
Das Buch umfasst 144 Seiten und folgt in seiner Gestaltung der bewährten Aufmachung eines Kosmos-Pflanzenführers – durchgehend farbig bebildert und kompakt im handlichen Format. Ein wichtiges Detail, wenn es um die sichere Bestimmung von Wildpflanzen geht. Die Struktur ist klar und praxisorientiert: Jede der 24 vorgestellten Pflanzen erhält ihr eigenes Kapitel, was das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk macht. Man kann es gezielt zur Hand nehmen, wenn man zu einer bestimmten Pflanze mehr wissen möchte, oder sich durcharbeiten, wenn man einen umfassenden Überblick gewinnen will.
Zu jeder Pflanze werden folgende Aspekte beleuchtet:
Evidenzbasierter Ansatz ohne erhobenen Zeigefinger
Was mir besonders gefällt: Käding verbindet traditionelles Pflanzenwissen mit moderner Pharmakologie. Er erklärt nicht nur, wie eine Pflanze wirkt, sondern auch warum. Alles sachlich und ohne Heilsversprechen. Das ist gerade bei einem so sensiblen Thema wie mentaler Gesundheit wichtig und unterscheidet dieses Buch von manchem esoterisch angehauchten Kräuterratgeber.
Ganzheitliche Perspektive
Ein Aspekt, den ich ein ebenfalls schätze: Das Buch betrachtet nicht nur die Wirkstoffe der Pflanzen, sondern auch den therapeutischen Prozess des Sammelns selbst. Der Aufenthalt in der Natur, das aktive Suchen und Finden, die Auseinandersetzung mit den Pflanzen – all das trägt zum Gefühl von Selbstwirksamkeit bei. Dieser psychologische Aspekt wird oft übersehen, ist aber nicht zu unterschätzen.
Reicher Kontext
Käding reichert die Pflanzenporträts mit kulturhistorischen Hintergründen an. Diese Verweise sind nicht bloßes Beiwerk, sondern vermitteln ein tieferes Verständnis für die jeweilige Pflanze und ihre Verwendung durch die Jahrhunderte. Solche Details machen das Buch lebendig und laden zum Schmökern ein.
Praxistauglichkeit
Die durchgehende farbige Bebilderung und klare Strukturierung – ganz in der Tradition der bewährten Kosmos-Naturführer – machen das Buch zu einem verlässlichen Begleiter, sowohl beim Sammeln in der Natur als auch bei der Zubereitung zu Hause. Die Anleitungen sind konkret genug, um sie tatsächlich umzusetzen.
Das Buch richtet sich an eine breite Leserschaft:
Es ist Jammern auf hohem Niveau, aber bei aller Begeisterung für die Phytotherapie möchte ich einen wichtigen Punkt nicht unerwähnt lassen: Wildpflanzen können eine wertvolle Unterstützung bei psychischen Belastungen sein – als Begleitung, zur Prävention oder zur Selbstfürsorge. Sie sind jedoch kein Ersatz für professionelle therapeutische Begleitung bei ernsthaften psychischen Erkrankungen. Ein entsprechender Sorgfaltshinweis ist auch auf den ersten Seiten des Buches enthalten, hätte mir persönlich aber etwas deutlicher oder besser hervorgehoben sein dürfen. Ähnlich beispielsweise beim Johanniskraut, von dem zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt sind. Dies findet sich zwar alles im Buch, geht aber aufgrund des Layouts (kleine Schrift, im Fließtext) etwas unter. Für solche – aus meiner Sicht wichtigen – Informationen hätte ich eine optisch hervorgehobene Infobox gut gefunden.
„Wildpflanzen für die mentale Gesundheit“ ist ein fundierter, liebevoll gestalteter Ratgeber, der traditionelle Pflanzenheilkunde mit wissenschaftlicher Präzision verbindet. Phil Käding gelingt es, komplexe pharmakologische Zusammenhänge verständlich zu machen, ohne dabei in Vereinfachungen abzugleiten. Die Kombination aus botanischem Wissen, evidenzbasierter Aufklärung und praktischen Anleitungen macht das Buch zu einer wertvollen Ressource.
Besonders bemerkenswert finde ich den ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die biochemische Wirkung der Pflanzen als auch die psychologischen Effekte des Sammelns und der aktiven Auseinandersetzung mit der Natur würdigt. In einer Zeit, in der wir oft nach schnellen Lösungen suchen, erinnert uns dieses Buch daran, dass Heilung auch im bewussten, achtsamen Umgang mit der Natur liegen kann.
Für alle, die einen seriösen, wissenschaftlich fundierten Einstieg in die phytotherapeutische Unterstützung der mentalen Gesundheit suchen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Es ersetzt keine Ausbildung und keine Therapie, aber es kann ein wertvoller Begleiter auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden sein.
Bibliografische Angaben:
Phil Käding: Wildpflanzen für die mentale Gesundheit. 24 Pflanzen sammeln, zubereiten und nutzen – Extra: Arten aus aller Welt
Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2025
144 Seiten, kartoniert, durchgehend farbig bebildert
ISBN 978-3-440-17906-2
Preis: 20,00 €
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