Eine Frau sitzt auf der Couch und greift sich gestresst an den Kopf

Eisenmangel trotz Eisentabletten?

Warum chronischer Stress den Eisenstatus verschlechtern kann

Eisenmangel ist eines der häufigsten Nährstoffdefizite weltweit – und in meiner Praxis begegne ich ihm beinahe täglich. Viele Betroffene berichten von bleierner Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, brüchigen Nägeln oder Haarausfall, manchmal auch Kurzatmigkeit und Herzklopfen bei leichter Belastung. Natürlich müssen auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden, doch eine naheliegende Vermutung ist: es fehlt an Eisen.

Hier wird es oft komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Laborwerte zeigen nicht immer ein klares Bild – und die vermeintlich einfache Lösung, nämlich Eisen zu substituieren, greift nicht immer wie erwartet.

Zwei typische Situationen:

Situation 1: Der Eisenspeicher (gemessen als Ferritin) ist niedrig. Es werden Eisentabletten genommen – aber der Wert steigt kaum oder gar nicht.

Situation 2: Der Eisenspeicher sieht im Labor normal oder sogar gut aus – aber die Müdigkeit bleibt. Ein genauerer Blick zeigt: Eisen ist zwar im Körper vorhanden, kommt aber nicht dort an, wo es gebraucht wird. Es ist gewissermaßen „versteckt“.

Was beide Situationen gemeinsam haben können? Chronischer Stress – vor allem dann, wenn er langfristig das Entzündungsgeschehen und die Darmgesundheit beeinflusst.

Stress und Eisen – auf den ersten Blick scheint da kein direkter Zusammenhang zu bestehen. Tatsächlich kann chronische Stressbelastung den Eisenstoffwechsel jedoch auf mehreren Ebenen beeinflussen: über Entzündungsprozesse, über ein regulierendes Hormon namens Hepcidin – und über die Darmgesundheit.

Hepcidin – der Türsteher des Eisenstoffwechsels

Im Zentrum steht ein kleines, aber sehr mächtiges Hormon: Hepcidin. Es wird in der Leber gebildet und reguliert, wie viel Eisen aus dem Darm aufgenommen und wie viel aus den Speichern freigesetzt wird.

Hepcidin wirkt wie ein Türsteher: Ist es erhöht, blockiert es die Eisenaufnahme aus dem Darm und hält Eisen in den Speichern fest – zum Beispiel in bestimmten Immunzellen, in der Leber oder im Knochenmark. Das Eisen ist somit zwar im Körper vorhanden, steht aber den roten Blutkörperchen und anderen Zellen nicht ausreichend zur Verfügung.

Medizinisch spricht man hier von einem funktionellen Eisenmangel: Eisen ist vorhanden, kann aber nicht sinnvoll genutzt werden.

Und hier kommt Stress ins Spiel.

Wie Stress Hepcidin erhöhen kann

Chronischer Stress löst im Körper eine Kaskade von Reaktionen aus. Eine davon kann sein: eine niedriggradige Entzündungsaktivität.

Unter Dauerstress schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Cortisol aus. Eigentlich wirkt Cortisol entzündungshemmend – bei chronischem Stress kann diese Wirkung jedoch nachlassen (Cortisol-Resistenz). Gleichzeitig können entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. Interleukin-6) ansteigen – selbst wenn keine akute Infektion vorliegt. Diese unterschwellige Entzündungsaktivität wird auch als „silent inflammation“ bezeichnet.

Und genau diese Entzündungsbotenstoffe können die Ausschüttung von Hepcidin erhöhen.

Das Ergebnis:

  • Bei bestehendem Eisenmangel: Die Eisenaufnahme aus dem Darm wird gebremst. Eisentabletten wirken schlechter oder gar nicht.
  • Bei ausreichend vorhandenem Eisen: Eisen wird in Speicherzellen zurückgehalten. Es entsteht ein funktioneller Mangel – Eisen ist da, aber nicht verfügbar.

Warum der Eisenspeicher allein nicht die ganze Wahrheit zeigt

Hier wird es diagnostisch knifflig: Der Ferritinwert ist nicht nur ein Maß für die Eisenspeicher. Ferritin verhält sich auch wie ein Akut-Phase-Protein – es steigt also bei Entzündungen an, unabhängig davon, wie viel Eisen tatsächlich nutzbar ist.

Ein normaler oder sogar erhöhter Ferritinwert kann also täuschen, wenn gleichzeitig eine (stille) Entzündungsaktivität vorliegt. Das Eisen ist zwar eingelagert, steht aber nicht zur Verfügung.

Wie erkennt man das?

Dafür braucht man mehrere Laborwerte im Zusammenhang:

  • Ferritin – wie voll sind die Speicher?
  • Entzündungsmarker (z. B. hsCRP) – gibt es Hinweise auf Entzündungsaktivität?
  • Transferrin-Sättigung (TSAT) – wie viel Eisen ist im Blut tatsächlich verfügbar?
  • Löslicher Transferrin-Rezeptor (sTfR) – kann helfen, echten Eisenmangel auch bei Entzündung zu erkennen


Ein häufiges Bild bei funktionellem Eisenmangel:

  • Ferritin: normal oder erhöht
  • Entzündungswert: leicht oder deutlich erhöht
  • Transferrin-Sättigung: niedrig 


Erst die Kombination dieser Werte ergibt ein aussagekräftiges Bild.

Die Darm-Stress-Achse: Wenn Aufnahme und Verwertung zusammenkommen

Stress beeinflusst den Eisenstoffwechsel nicht nur über Hepcidin. Auch der Darm spielt eine zentrale Rolle – besonders bei echtem Eisenmangel mit niedrigem Ferritin.

Chronischer Stress kann die Verdauungsleistung beeinträchtigen und Entzündungsprozesse im Darm begünstigen. Viele Betroffene merken das ganz konkret: unruhige Verdauung, Bauchschmerzen, Blähungen, wechselnder Stuhlgang.

Und je länger das anhält, desto eher kann auch die Darmschleimhaut leiden. Hier fällt oft der Begriff Leaky Gut: Gemeint ist, dass die Darmbarriere nicht mehr optimal funktioniert. Das kann die Aufnahme von Nährstoffen – darunter auch Eisen – zusätzlich erschweren.

Wichtig ist dabei: Wenn ein Eisenmangel besteht, sollte man immer auch an Blutverluste denken. Bei Frauen bzw. generell Menschen mit Menstruation kann eine stärkere oder verlängerte Blutung ein wesentlicher Faktor sein. Und auch der Magen-Darm-Trakt kann eine Rolle spielen – etwa durch Schleimhautentzündungen, Medikamente (z. B. Schmerzmittel), Infektionen oder andere Ursachen.

Versteckte Blutungen (okkultes Blut) sollten immer ärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Warum Eisengabe allein oft nicht reicht

Jetzt wird klar, warum Eisen – ob als Tablette oder Infusion – manchmal nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Bei Tabletten können mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • Hepcidin blockiert die Aufnahme im Darm.
  • Leaky Gut / eine gestörte Darmschleimhaut erschwert die Resorption.
  • Kontinuierliche Verluste (z. B. starke Menstruation oder versteckte Blutungen) halten den Mangel aufrecht.


Auch nach Eiseninfusionen kann es passieren, dass sich die Beschwerden nicht deutlich bessern oder Werte nicht stabil steigen – zum Beispiel wenn:

  • eine ausgeprägte Entzündungsaktivität vorliegt → Hepcidin ist hoch → Eisen wird rasch eingelagert und steht nicht ausreichend zur Verfügung
  • weiterhin Eisen verloren geht (z. B. Blutungen, starke Menstruation)
  • eine chronische Erkrankung den Eisenstoffwechsel dauerhaft beeinflusst


Deshalb ist es so wichtig, die Ursachen zu identifizieren:

  • Liegen Hinweise auf eine Entzündungsaktivität vor?
  • Wie stark ist die Stressbelastung?
  • Gibt es Symptome oder Hinweise auf Leaky Gut / Verdauungsstörungen?
  • Bestehen versteckte Blutverluste?
  • Liegt funktioneller Eisenmangel vor – oder echter Eisenmangel?


Erst wenn das Gesamtbild klar ist, lässt sich sinnvoll gegensteuern.

Was können Sie unterstützen?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Eisenstatus nicht optimal ist, können folgende allgemeine Faktoren unterstützend wirken (als Ergänzung – nicht als Ersatz für Diagnostik):

Entzündungsprozesse reduzieren

  • antientzündlich essen (z. B. Omega-3-Fettsäuren, buntes Gemüse, wenig Zucker/Weißmehl)
  • Darmgesundheit stärken (z. B. Ballaststoffe, Fermentiertes, sinnvoll eingesetzte Probiotika oder Nahrungsergänzung)


Eisenaufnahme optimieren

  • Eisen zusammen mit Vitamin C einnehmen (kann die Aufnahme verbessern).
  • Kaffee, Schwarztee und andere koffeinhaltige Getränke mit größerem zeitlichem Abstand zur Einnahme trinken (ideal sind 2 Stunden).
  • Milchprodukte / calciumreiche Mahlzeiten nicht direkt mit Eisen kombinieren.
  • bei Verdacht auf funktionellen Eisenmangel: nicht nur „mehr Eisen“, sondern Ursachen klären.


Eiseninfusionen
können bei nachgewiesener Resorptionsstörung oder ausgeprägtem Mangel sinnvoll sein (dürfen jedoch nur ärztlich durchgeführt werden).

Ursachenforschung lohnt sich

  • gezielte Laboranalyse: nicht nur Ferritin, sondern auch Entzündungsmarker, Transferrin-Sättigung etc.
  • professionelle Begleitung bei hartnäckigen Fällen

Eisenmangel ist nicht gleich Eisenmangel

Wenn der Eisenstatus trotz Einnahme nicht besser wird – oder wenn Sie trotz „normalem“ Ferritin unter Müdigkeit leiden – lohnt es sich, tiefer zu schauen. Chronischer Stress kann über Entzündungsprozesse, Hepcidin und Darmfunktion dazu beitragen, dass Eisen schlechter aufgenommen oder schlechter verwertet wird.

Die gute Nachricht: Wenn die Zusammenhänge erkannt werden, lässt sich gezielt an den Ursachen ansetzen – nicht nur mit Eisen, sondern mit einem ganzheitlichen Blick auf Stress, Entzündungsgeschehen, Darmgesundheit und darüber hinaus.

Wie geht es weiter?  

Wenn Sie unter unerklärlichem Eisenmangel oder chronischer Erschöpfung leiden, biete ich Ihnen gern ein kostenfreies, 15-minütiges telefonisches Erstgespräch an.

Ihren Termin finden Sie mit einem Klick auf den Button.

Ihre Heilpraktikerin in Bingen-Dromersheim,

Maria Lepši-Fugmann

Maria Lepsi-Fugmann in ihrer Praxis am Fischtorplatz in Mainz
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