eine Frau mit Bauchschmerzen

Blähbauch nach dem Essen? SIBO, IMO & SIFO verständlich erklärt

„Der Ultraschall hat viel Luft gezeigt – aber sonst nichts Auffälliges.“

Diesen Satz hören viele Patientinnen und Patienten, die sich wegen Blähungsbeschwerden an ihren Arzt gewandt haben. Und das ist auch ein absolut sinnvoller Schritt: Der Gang zum Haus- oder Facharzt schafft eine solide diagnostische Grundlage und hilft, ernstere Erkrankungen sicher auszuschließen. Wenn ein Ultraschall gemacht wurde, zeigt sich dabei nicht selten ein sogenannter Meteorismus – also vereinfacht gesagt: „viel Luft im Bauch“.

Auch die Symptome passen oft dazu: ein ausgeprägter Blähbauch („wie schwanger“), Druck, Bauchschmerzen und ein veränderter Stuhlgang – vielleicht Durchfall, vielleicht Verstopfung, manchmal beides im Wechsel. Irgendwann fällt dann ein Begriff, der aktuell sehr präsent ist: SIBO.

SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth – auf Deutsch meist als „Dünndarmfehlbesiedlung“ übersetzt. Und ja: Das Thema ist real und medizinisch ernst zu nehmen. Gleichzeitig ist es wichtig, es sauber einzuordnen – denn nicht jedes Symptom ist automatisch SIBO, und nicht jeder positive Test bedeutet zwangsläufig eine behandlungsbedürftige Ursache.

Was ist SIBO? Dünndarmfehlbesiedlung einfach erklärt

Der Dünndarm ist – im Vergleich zum Dickdarm – eigentlich nur gering bakteriell besiedelt. Das ist sinnvoll: Im Dünndarm werden Nährstoffe aufgenommen. Eine massive Fermentation wäre dort eher störend.

Normalerweise verhindern mehrere Schutzmechanismen, dass zu viele Keime „hochwandern“ oder sich stark vermehren:

  • Magensäure (wirkt wie ein Filter)
  • Dünndarmbewegung (Motilität) – eine Art „Reinigungswelle“
  • Galle und Verdauungsenzyme
  • Ileozökalklappe (Trennstelle zwischen Dünn- und Dickdarm)


Bei SIBO klappt diese Schutzfunktion nicht mehr ausreichend. Dann können Bakterien im Dünndarm Kohlenhydrate frühzeitig vergären – dabei entstehen Gase (v. a. Wasserstoff = H₂ und teils Methan = CH₄ oder Schwefelwasserstoff = H₂S). Das kann Symptome auslösen wie:

  • Blähbauch (oft direkt nach dem Essen)
  • Bauchschmerzen, Druckgefühl
  • Durchfall oder wechselnde Stühle
  • Verstopfung (häufig bei Methan-dominanter Problematik)
  • selten: Nährstoffmängel (z. B. Vitamin B12) bei schweren Verläufen

SIBO, IMO und SIFO: Unterschiede auf einen Blick

Im Alltag werden diese Begriffe oft vermischt. Dabei steckt medizinisch Unterschiedliches dahinter – und das ist relevant, weil es die Diagnostik und Einordnung beeinflusst.

SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth)

Hier geht es um eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm. Häufig steht dabei die Wasserstoffproduktion (H₂) im Vordergrund. Typisch sind Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Durchfall oder wechselnde Stühle – oft deutlich nach Mahlzeiten.

IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth)

Wenn im Atemtest vor allem Methan erhöht ist, spricht man zunehmend von IMO. Methan wird nicht von klassischen Darmbakterien gebildet, sondern überwiegend von Methanogenen (z. B. Methanobrevibacter smithii). IMO ist häufig mit Verstopfung, harter Stuhlkonsistenz und einem „festen“ Blähbauch assoziiert.

SIFO (Small Intestinal Fungal Overgrowth)

SIFO bezeichnet eine Überwucherung des Dünndarms mit Pilzen, meist Candida-Arten. Pilze gehören zwar grundsätzlich zur Darmflora, können aber in bestimmten Situationen an Relevanz gewinnen – z. B. bei wiederholten Antibiotikagaben, Motilitätsstörungen, Diabetes oder Immunsuppression. Die Beschwerden können SIBO/IMO ähneln: Völlegefühl, Blähungen, Druck und Reizsymptomatik.

Atemtest bei SIBO/IMO: Wie zuverlässig ist die Diagnostik?

Der wichtigste nicht-invasive Test bei Verdacht auf SIBO/IMO ist der H₂/CH₄-Atemtest. Auch Leitlinien sehen ihn als praktikable Diagnostikoption – vorausgesetzt, Testqualität und Einordnung stimmen.

Glukose oder Laktulose – was ist besser?

Beides hat Vor- und Nachteile:

  • Glukose-Atemtest
    Wird im oberen Dünndarm aufgenommen → kann dortige Überwucherung gut zeigen, „übersieht“ aber ggf. tiefer liegende Abschnitte.
  • Laktulose-Atemtest
    Wird nicht resorbiert → wandert durch den gesamten Darm, kann „weiter hinten“ reagieren, ist aber anfälliger für falsch-positive Ergebnisse (z. B. bei veränderter Transitzeit).


Wann ist ein Atemtest „positiv“?

Je nach Test kann es unterschiedliche Interpretationsweisen geben. Eine gängige ist:

  • SIBO (H₂): Anstieg um ≥ 20 ppm Wasserstoff zwischen dem Ausgangswert und einer nachfolgenden Probe innerhalb von 90 Minuten
  • IMO (Methan): ≥ 10 ppm Methan zu irgendeinem Zeitpunkt

Dabei kann es aber noch den einen oder anderen Fallstrick geben. Ebenso wichtig: Ein Atemtest ist immer nur so gut wie die Vorbereitung, die Messqualität und die Interpretation.

SIFO-Diagnostik

SIFO lässt sich streng genommen am sichersten über invasive Verfahren (Dünndarmaspirat/Kultur) nachweisen. Das ist natürlich nichts, was in einer Heilpraktikerpraxis durchgeführt werden kann (aber auch nicht muss).

In der Naturheilpraxis wird deshalb häufig eine mykologische Stuhluntersuchung durchgeführt (Pilzdiagnostik im Stuhl). Diese kann Hinweise auf eine relevante Pilzlast geben – auch wenn sie nicht zeigt, wo genau im Verdauungstrakt der Pilz sitzt (Mund, Speiseröhre, Dünndarm oder Dickdarm). Entscheidend ist daher, dass der Befund immer in den klinischen Kontext eingeordnet wird und nicht isoliert betrachtet wird.

Häufige Missverständnisse und Fehler bei SIBO/SIFO

1) „Ein positiver Test beweist SIBO.“ oder „Ein negativer Test schließt SIBO aus.“

Nicht automatisch. Atemtests sind indirekte Tests: Sie messen Gase, nicht Bakterien. Transitzeit, Ernährung, Medikamente und Testqualität beeinflussen Ergebnisse.

2) „SIFO erkenne ich sicher an Candida im Stuhl.“

Candida im Stuhl ist kein Beweis für eine Dünndarmüberwucherung. Er kann aber als Hinweis dienen – entscheidend ist die Einordnung.

3) „Ich mache schnell mal Online-Tests und behandle mich selbst.“

So verständlich das ist – gerade bei SIBO/IMO/SIFO ist das riskant: Diagnostik und Interpretation sind anspruchsvoll. Zudem werden Tests und darauf aufbauende Behandlungsempfehlungen von Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln oder Coaches ohne Heilerlaubnis häufig in einer rechtlichen und medizinischen Grauzone bewegt.

Typische Fallstricke: 

  1. Einzelwert-Denken: nur „positiv/negativ“ – ohne den Mechanismus dahinter
  2. Kein Blick auf Ursachen: Motilität (Darmbewegung), Infektfolgen, Medikamente oder anatomische Faktoren werden übersehen
  3. Zu schnelle Selbstbehandlung: radikale Diäten, wechselnde Mittel → Stress, Nährstoffmangel und Symptomverstärkung
  4. Darm wird zum „Feind“: Das führt häufig zu Vermeidung, Angst vor Essen und einem Teufelskreis

Was Betroffene tun können

1) Beschwerden strukturiert beobachten

  • Wann treten Beschwerden auf? Direkt nach Essen oder erst später?
  • Welche Stuhlveränderungen gibt es?
  • Gibt es Gewichtsverlust, Müdigkeit, Mangelzeichen?


2) Diagnostik und Therapie professionell begleiten lassen

Ja, auch wenn es verlockend ist – Anbieter, Selbsthilfegruppen oder die KI bringen selten die Lösung. Denn gute Diagnostik heißt:

  • Auswahl anhand einer plausiblen Indikation (nicht „einfach so, weil könnte ja ein SIBO sein“)
  • Auswahl eines geeigneten Atemtests und Testverfahrens (hier gibt es himmelweite Unterschiede)
  • korrekte Durchführung des Tests
  • Berücksichtigung von Differenzialdiagnosen (also andere mögliche Ursachen für die Beschwerden, z. B. Reizdarm, Nahrungsmittelintoleranzen, Entzündungsgeschehen …)

3) Grundpfeiler stabilisieren

Ganz banal – aber oft entscheidend:

  • regelmäßige Mahlzeiten mit ausreichend Abstand dazwischien, kein „Snacken (der Darm braucht das, um seinen Reinigungsprozess in Gang zu setzen)
  • ausreichend Schlaf
  • Stressreduktion (Stress beeinflusst die Darmtätigkeit entscheidend)
  • bedarfsdeckende Ernährung statt Dauerrestriktion

Wenn die Verdachtsdiagnose SIBO/IMO/SIFO im Raum steht, gehört das Thema in einen therapeutischen Rahmen, der Ursachen und Mechanismen berücksichtigt.

SIBO ist real – aber selten „die ganze Geschichte“

SIBO, IMO und SIFO können sehr belastend sein und sind wichtige Bausteine in der Abklärung chronischer Verdauungsbeschwerden. Gleichzeitig ist es selten sinnvoll, sich auf ein einzelnes Label zu fixieren. Entscheidend ist immer: Was ist Ursache, was Folge – und was passt wirklich zum klinischen Bild (welche Symptome hat der Patient denn eigentlich)?

Wie geht es weiter?  

Wenn Sie unter unklaren Bauchbeschwerden leiden, vielleicht sogar den Verdacht auf SIBO/IMO/SIFO haben und sich professionelle, ganzheitliche Begleitung wünschen, biete ich ihnen gern ein kostenfreies, 15-minütiges telefonisches Erstgespräch an.

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Ihre Heilpraktikerin in Bingen-Dromersheim,

Maria Lepši-Fugmann

Maria Lepsi-Fugmann in ihrer Praxis am Fischtorplatz in Mainz
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