Diesen Satz hören viele Patientinnen und Patienten, die sich wegen Blähungsbeschwerden an ihren Arzt gewandt haben. Und das ist auch ein absolut sinnvoller Schritt: Der Gang zum Haus- oder Facharzt schafft eine solide diagnostische Grundlage und hilft, ernstere Erkrankungen sicher auszuschließen. Wenn ein Ultraschall gemacht wurde, zeigt sich dabei nicht selten ein sogenannter Meteorismus – also vereinfacht gesagt: „viel Luft im Bauch“.
Auch die Symptome passen oft dazu: ein ausgeprägter Blähbauch („wie schwanger“), Druck, Bauchschmerzen und ein veränderter Stuhlgang – vielleicht Durchfall, vielleicht Verstopfung, manchmal beides im Wechsel. Irgendwann fällt dann ein Begriff, der aktuell sehr präsent ist: SIBO.
SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth – auf Deutsch meist als „Dünndarmfehlbesiedlung“ übersetzt. Und ja: Das Thema ist real und medizinisch ernst zu nehmen. Gleichzeitig ist es wichtig, es sauber einzuordnen – denn nicht jedes Symptom ist automatisch SIBO, und nicht jeder positive Test bedeutet zwangsläufig eine behandlungsbedürftige Ursache.
Der Dünndarm ist – im Vergleich zum Dickdarm – eigentlich nur gering bakteriell besiedelt. Das ist sinnvoll: Im Dünndarm werden Nährstoffe aufgenommen. Eine massive Fermentation wäre dort eher störend.
Normalerweise verhindern mehrere Schutzmechanismen, dass zu viele Keime „hochwandern“ oder sich stark vermehren:
Bei SIBO klappt diese Schutzfunktion nicht mehr ausreichend. Dann können Bakterien im Dünndarm Kohlenhydrate frühzeitig vergären – dabei entstehen Gase (v. a. Wasserstoff = H₂ und teils Methan = CH₄ oder Schwefelwasserstoff = H₂S). Das kann Symptome auslösen wie:
Im Alltag werden diese Begriffe oft vermischt. Dabei steckt medizinisch Unterschiedliches dahinter – und das ist relevant, weil es die Diagnostik und Einordnung beeinflusst.
Hier geht es um eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm. Häufig steht dabei die Wasserstoffproduktion (H₂) im Vordergrund. Typisch sind Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Durchfall oder wechselnde Stühle – oft deutlich nach Mahlzeiten.
Wenn im Atemtest vor allem Methan erhöht ist, spricht man zunehmend von IMO. Methan wird nicht von klassischen Darmbakterien gebildet, sondern überwiegend von Methanogenen (z. B. Methanobrevibacter smithii). IMO ist häufig mit Verstopfung, harter Stuhlkonsistenz und einem „festen“ Blähbauch assoziiert.
SIFO bezeichnet eine Überwucherung des Dünndarms mit Pilzen, meist Candida-Arten. Pilze gehören zwar grundsätzlich zur Darmflora, können aber in bestimmten Situationen an Relevanz gewinnen – z. B. bei wiederholten Antibiotikagaben, Motilitätsstörungen, Diabetes oder Immunsuppression. Die Beschwerden können SIBO/IMO ähneln: Völlegefühl, Blähungen, Druck und Reizsymptomatik.
Der wichtigste nicht-invasive Test bei Verdacht auf SIBO/IMO ist der H₂/CH₄-Atemtest. Auch Leitlinien sehen ihn als praktikable Diagnostikoption – vorausgesetzt, Testqualität und Einordnung stimmen.
Beides hat Vor- und Nachteile:
Je nach Test kann es unterschiedliche Interpretationsweisen geben. Eine gängige ist:
Dabei kann es aber noch den einen oder anderen Fallstrick geben. Ebenso wichtig: Ein Atemtest ist immer nur so gut wie die Vorbereitung, die Messqualität und die Interpretation.
SIFO lässt sich streng genommen am sichersten über invasive Verfahren (Dünndarmaspirat/Kultur) nachweisen. Das ist natürlich nichts, was in einer Heilpraktikerpraxis durchgeführt werden kann (aber auch nicht muss).
In der Naturheilpraxis wird deshalb häufig eine mykologische Stuhluntersuchung durchgeführt (Pilzdiagnostik im Stuhl). Diese kann Hinweise auf eine relevante Pilzlast geben – auch wenn sie nicht zeigt, wo genau im Verdauungstrakt der Pilz sitzt (Mund, Speiseröhre, Dünndarm oder Dickdarm). Entscheidend ist daher, dass der Befund immer in den klinischen Kontext eingeordnet wird und nicht isoliert betrachtet wird.
Nicht automatisch. Atemtests sind indirekte Tests: Sie messen Gase, nicht Bakterien. Transitzeit, Ernährung, Medikamente und Testqualität beeinflussen Ergebnisse.
Candida im Stuhl ist kein Beweis für eine Dünndarmüberwucherung. Er kann aber als Hinweis dienen – entscheidend ist die Einordnung.
So verständlich das ist – gerade bei SIBO/IMO/SIFO ist das riskant: Diagnostik und Interpretation sind anspruchsvoll. Zudem werden Tests und darauf aufbauende Behandlungsempfehlungen von Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln oder Coaches ohne Heilerlaubnis häufig in einer rechtlichen und medizinischen Grauzone bewegt.
Typische Fallstricke:
Ja, auch wenn es verlockend ist – Anbieter, Selbsthilfegruppen oder die KI bringen selten die Lösung. Denn gute Diagnostik heißt:
Ganz banal – aber oft entscheidend:
Wenn die Verdachtsdiagnose SIBO/IMO/SIFO im Raum steht, gehört das Thema in einen therapeutischen Rahmen, der Ursachen und Mechanismen berücksichtigt.
SIBO, IMO und SIFO können sehr belastend sein und sind wichtige Bausteine in der Abklärung chronischer Verdauungsbeschwerden. Gleichzeitig ist es selten sinnvoll, sich auf ein einzelnes Label zu fixieren. Entscheidend ist immer: Was ist Ursache, was Folge – und was passt wirklich zum klinischen Bild (welche Symptome hat der Patient denn eigentlich)?
Wie geht es weiter?
Wenn Sie unter unklaren Bauchbeschwerden leiden, vielleicht sogar den Verdacht auf SIBO/IMO/SIFO haben und sich professionelle, ganzheitliche Begleitung wünschen, biete ich ihnen gern ein kostenfreies, 15-minütiges telefonisches Erstgespräch an.
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